Lieber Schachfreund,
an den Brettern der Welt und bei uns bei
ChessBase passieren Dinge, die jeden Schachbegeisterten interessieren. Ich möchte
Ihnen in Zukunft, wann immer es Neuigkeiten gibt, davon erzählen, zum
Beispiel...
Aus dem Turniersaal
Die Schachsaison beginnt seit Jahren immer mit
einem der Jahreshöhepunkte - dem Corus-Turnier in Wijk aan Zee. Eigentlich sind
es drei hochinteressante Turniere. Als Favoriten des A-Turniers musste man wohl Carlsen,
Anand und Kramnik ansehen. Doch dann war es Alexei Shirov, der mit 5 aus 5 durchstartete
und allen die Show stahl. Der Spanier schien auf dem Weg zum Turniersieg zu sein,
doch dann verpatzte er seine Gewinnstellung gegen Anand - verlor die Partie -
und verpasste gegen Kramniks Russische Verteidigung eine Gewinnmöglichkeit und teilte den
Punkt. Schließlich gab er in der letzten Runde gegen Dominguez in Gewinnstellung
remis.
Shirov, A.- Dominguez Perez, L.

30. ... Bg7 (Richtig war 30... Le5=) und remis. Shirov übersah die Möglichkeit
31. b4! und nun 31...Qc7 32. Qa8+ Bf8 33. Rf1 und gewinnt.
Ein halber Punkt mehr und Shirov wäre zumindest Co-Sieger gewesen. So wurde
Carlsen Erster. Zufrieden war der Norweger mit seinem Spiel aber nicht. Anand
spielte verhalten, aber nicht so schlecht wie vor seinem letzten WM-Kampf beim
Turnier in Bilbao. Mit +2 am Ende war der Weltmeister unter den gegebenen
Umständen nicht ganz unzufrieden. Die B-Gruppe gewann recht
souverän Anish Giri. Das nepalesisch-russische "Wunderkind" mit niederländischem
Pass könnte sehr bald in Carlsens Fußstapfen treten.
In der aktuellen Ausgabe des ChessBase Magazins (April 2010, Nr. 135) findet man Audio-, Video-, und
geschriebene Kommentare u.a. von Anand, Carlsen, Kramnik und Shirov.
Fast zeitgleich zum Corus-Turnier fand in Gibraltar das Gibtelecom-Masters
statt, ein Open in attraktiver Umgebung und mit einem ebenso attraktivem Preisfonds.
Die Norweger nahmen mit einer Riesendelegation teil, darunter auch Magnus
Carlsens Schwester Ingrid. Am Ende lagen mehrere Spieler gleichauf. Unter den
besten vier wurde ein Stichkampf organisiert, den Michael Adams gewann.
Geographisch nicht zu weit entfernt von Gibraltar wurde im Februar das nächste
Turnier ausgetragen - in Linares. Hier zeigte der WM-Herausforderer Veselin
Topalov, dass ihn der kommende Wettkampf um die Weltmeisterschaft in keiner Weise hemmt. Er gewann
souverän, auch wenn er auf dem Weg zum Turniersieg zwischendurch von Alexander
Grischuk kurz abgebremst wurde.
Anfang März ging es für viele Spitzenspieler bei der Europameisterschaft in
Rijeka weiter. Bei diesem großen Open nehmen von den Topspielern diejenigen
teil, die sich für den World Cup qualifizieren möchten, aber nicht durch eine
hohe Elozahl vorgemerkt sind - insgesamt waren es über 400 Spieler sowie über
160 Spielerinnen bei der Fraueneuropameisterschaft. Nach wenigen Runden
beschwerten sich die Spieler mit einer Petition über die rigide Handhabung der
Anwesenheitspflicht zum Rundenbeginn. Wer bei Partiebeginn nicht am Brett war, wurde genullt. Da
einige Spieler recht weit weg vom Turniersaal untergebracht waren, gab es jede
Runde einige Verspätungsopfer. Da die Regel aber bereits zu Anfang des Turniers
angewendet wurde, konnte sie im Nachhinein nicht mehr geändert werden.
Mit Ian Nepomniachtchi (20) setzte sich in dieser Massenveranstaltung ein sehr
junger Spiel durch. In der letztlich entscheidenden Partie gegen den härtesten
Mitkonkurrenten um den Titel, Baadur Jobava, wählte der Russe gegen Jobavas
Caro-Kann Verteidigung die so genannte Fantasy-Variante: 1.e4 c6 2.d4 d5 und
3.f3. Diese unterschätzte Nebenvariante bietet Weiß die Möglichkeit, den
Schwarzspieler aus seinen Caro-Kann-Schablonen zu werfen und dem Spiel auf
zumeist wenig erforschtem Gebiet seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Die
Variante war auch Thema einer ausführlicheren Betrachtung in den letzten drei
Ausgaben des ChessBase Magazins. Bei der Europameisterschaft stand sie mehrfach
auf dem Brett.
Nepomniachtchi-Jobava und Fantasy auf der Euro...
Bei der Europameisterschaft der Frauen siegte die
Erfahrung in Gestalt von Pia Cramling. Die zierliche Schwedin ist ein Urgestein
des Frauenschachs und hat als eine der ersten Frauen überhaupt regelmäßig bei
Turnieren mitgespielt.
Training:
In den letzten
Wochen sind wieder eine Reihe von Trainings-DVDs im Chessmedia-Format
erschienen. Die Vorteile dieses Formats für das eigene Eröffnungsstudium liegen
auf der Hand. Statt selber mit Hilfe von Datenbank-Statistiken und Engines den
richtigen Weg zu suchen, lassen Sie sich diesen einfach von Experten zeigen. Wer
kennt z.B. die Idee, mit 5.g4 die Philidor-Verteidigung anzugreifen besser, als
ihr Erfinder Alexei Shirov selbst? Im Unterschied zu Büchern, hat das Chessmedia Format den Vorteil, kompakter und einprägsamer zu sein. Die DVDs sind
dabei im Grunde nichts anderes als Trainingslektionen mit einem Schachtrainer,
der hier auf dem Bildschirm erscheint - und zwar so oft man will.
Neue DVDs:
Offene und
Halboffene Spiele
Andrew Martin Spanish Exchange Variation
Der sehr erfahrene Schachtrainer und viel beschäftigte Autor
Andrew Martin erläutert auf dieser DVD die Abtauschvariante der Spanischen
Partie, mit deren Hilfe man sich nicht nur aller gefährlicher Spanischen
Varianten entledigt, sondern auch noch einen strategische Gewinnstellung
erreicht - das Bauernendspiel ist für Weiß gewonnen. In englischer
Sprache.
More information...
€ 27,50
Lawrence Trent: Two Knight‘s Defence
Der englische IM zeigt den Stand im Zweispringerspiel. Zuletzt gab es dort
einige theoretisch wichtige Partien. In englischer
Sprache.
More information...
€ 27,50
Valeri Lilov The Sicilian Kan Variation
Der junge Bulgare Valeri Lilov ist neu im ChessBase Autorenstab. Innerhalb
kürzester Zeit hat er sich auf dem Fritzserver mit seinen Trainingslektionen
eine ansehnliche Fangemeinde aufgebaut - ein guter Grund, auch eine
Trainings-DVD aufzunehmen. Hier stellt er die Sizilianische Kan-Variante vor,
die sich durch besonders große Flexibilität auszeichnet. In
englischer Sprache.
More information...
€ 27,50
Nigel Davies French Defence Strategy
Nigel Davies demonstriert Pläne und Strategien in den
Strukturen der Französischen Verteidigung. In englischer Sprache.
More information...
€ 29,90
Thomas Luther: Französisch 1 - 2. Auflage
Die erfolgreiche DVD des mehrfachen deutschen Meisters und
Französisch-Experten GM Thomas Luther in erweiterter und aktualisierter
Neuauflage. Band 1 behandelt Vorstoßvariante, Geschlossene Variante und
Nebensystem. In deutscher Sprache.
Mehr Information...
€ 29,90
Thomas
Luther: Französisch 2 - 2. Auflage
Erweiterte und aktualisierte Auflage des 2. Bandes mit den Systemen nach
3.Sc3 (Winawer, Klassisch, Rubinstein) und 3.Sd2 (Tarrsch-Variante). In
deutscher Sprache.
Mehr Information...
€ 29,90
Geschlossene Spiele
Nigel Davies Build a 1.d4 Repertoire
Diese Idee zeigt, wie man mit Damenbauerspielen wie
Torre-Angriff oder Colle-System nach 1.d4 zu gut spielbaren Positionen kommt,
ohne die Theorie der Hauptverteidigungen gegen 1.d4 kennen zu müssen. In
englischer Sprache.
More information...
€ 27,50
Valeri Lilov The Queen’s Gambit accepted
Auf dieser Repertoire-DVD zum Angenommenen Damengambit stellt Valeri Lilov
zwei Pläne vor (a6, b5, Sbd7, Lb7 und Lg4) mit denen man als Schwarzspieler
frühzeitig um die Initiative kämpfen kann.
More information...
€ 27,50
Nigel Davies: A busy person’s opening system
Schacheröffnungen für Spieler, die keine Zeit für das Studium von
Eröffnungstheorie haben: Der frühere englische U21-Meister erläutert, wie man
dem Aufbau d6,c6 und später e5 bzw. d3,c3 und später e4 mit Weiß gut spielbare
Stellungen bekommt. Die österreichische Spitzenspielerin Eva Moser, ebenfalls
Anhängerin von Philidor im Anzug, formulierte es einmal so: "Spanisch ist
Philidor im Anzug, wo der weißfeldrige Läufer auf einem komischen Feld steht." In englischer Sprache.
More information...
€ 27,50
Hinter den Kulissen:
Bologan, Umzug, Shirov, Short
ChessBase ist umgezogen. Seit ewigen Zeiten befand sich der
Firmensitz in einem etwas schmucklosen Plattenbau in der City Nord. Dort hatte die
Firma vor vielen Jahren schon einmal innerhalb eines Gebäudes die Räume gewechselt
-
überraschenderweise hatte diese eine
komplette neue Postadresse, sogar mit neuem Straßennamen in der Anschrift zur
Folge.

Das ChessBase-Büro war rechts, in dem hell-roten Haus, oberster Stockwerk,
hinter den Fenstern links.
Eine Reihe von Gebäude der City Nord sind nämlich über eine
Fußgängerplattform verbunden und beziehen ihre Adressen von irgendwo außen
liegenden Straßen. Verwirrt blickende umherirrende Passanten, die sich wunden,
dass der Eingang 25 neben dem Eingang 35 liegt und gleich gegenüber noch ein
Eingang 35 ist, gehören zum alltäglichen Bild in der City Nord.
Ich werde besonders den Lastenaufzug vermissen. An den Zielknöpfen standen
folgende Bezeichnungen T, Z, E, 1. Ist doch klar, oder?
Von der Benutzung des Fahrstuhls am Freitag Nachmittag war abzuraten, es sei
denn, man hatte am Wochenende keine Termine und kann sich über längere Zeit
selbst beschäftigen. Gelegentlich verhakten sich nämlich die Rolltüren des
Gefährts.

Aufzug des Grauens (re.)
Einmal befreite ich einen UPS-Boten, der bei E ausgestiegen war, was
ihn aber in einen Lagerraum führte, für den er den Schlüssel der Ausgangstür nicht
besaß. Der Aufzug war inzwischen hinter ihm weg gefahren und kam auch nicht
wieder. Im Stockwerk darunter hatte jemand die Aufzugtüren offen gelassen.
Anfang Februar hat der Aufzug dann zum letzten Mal Sachen von
ChessBase befördert - allerdings zuverlässig und klaglos.

Pascal Simon und Steffen Giehring räumen das Lager leer

Datensicherheit ist Chefsache: ChessBase-CEO Matthias Wüllenweber zerstört mit
Hammer und Meißel
alte Festplatten, um vor dem Wegwerfen alle (geheimen) Daten zu vernichten.
Nun sind wir etwas weiter südlich vom Hamburger Stadtpark zu finden. Einen
Lastenaufzug gibt es nicht mehr. Das ChessBase-Büro liegt im Erdgeschoss.
Der letzte Gast in unserem alten Aufnahme-Studio war der moldawische Großmeister
Viktor Bologan.

Viktor Bologan und André Schulz zeigen dem Fotografen, was sie von seinen Fotos
halten
Im letzten Sommer hatte er bereits DVDs zu den Gebieten
Königsindisch und Caro-Kann aufgenommen, zwei Eröffnungen aus seinem eigene
Repertoire. Bologan verfolgt ein anderes Konzept bei der Vorstellung der
Eröffnungen. Analog zu klassischen Eröffnungsbüchern stellt er nur die
Eröffnungszüge der Musterpartien vor und bricht die Partie dann an geeigneter
Stelle ab. Das hat den Vorteil, dass man mehr Varianten zu sehen bekommt. Den
Nachteil, dass man nun die Partie nicht als Ganzes zu sehen bekommt, findet
Bologan nicht schlimm. Nun
nahm Bologan außerdem noch DVDs zur Philidor-Verteidigung und zur Sizilianischen
Rossolimo-Variante auf. Erstere ist eine unterschätzte, aber vollwertige und vor
allem abgeschlossene Verteidigung gegen 1.e4 (über den Weg 1.e4 d6 2.d4 Sf6
3.Sc3 e5), letztere bietet die Möglichkeit, als Weißspieler Sizilianisch-Partien einen eigenen
positionellen Stempel aufzudrücken.
Viktor Bologan The King’s Indian
Ein komplettes Schwarz-Repertoire in der Königsindischen Verteidigung
basierend auf Bologans eigenem Königsindisch-Repertoire.
More information...
€ 27,50
Viktor Bologan The Caro-Kann
Bologans Caro-Kann-Repertoire, basierend auf der Variante 4...Lf5 und langer
Rochade (klassisch).
More information...
€ 27,50
Der erste Gast im neuen Studio in den neuen Büroräumen war
Alexei Shirov. Außer seinen Besuchen bei ChessBase gibt es für den gebürtigen
Letten noch bessere Gründe, regelmäßig nach Hamburg zu reisen. Seine Tochter
lebt nämlich hier. Diesmal befand sich der "Fire on Board"- Künstler zudem auf
der Durchreise nach Heidelberg, wo er für Baden-Baden im Bundesliga-Spitzenspiel
gegen Werder Bremen antrat. Im neuen Studio hinterließ er vier im Chessmedia-Format kommentierte Partien aus dem Corus-Turnier. Diese sind in der
April-Ausgabe des ChessBase Magazin (Nr. 135) zu sehen.
ChessBase Magazin 135
Bald nach Shirov kam Nigel Short zu Besuch und nahm im Verlauf von einer
Woche zwei DVDs mit seinen besten Partien auf. Der WM-Herausforderer von 1993
ist eine ständig sprudelnde Quelle für Geschichten, Anekdoten, Erlebnisberichten
oder sonstigen Informationen zur Ereignissen rund ums Schach. Auch zwischen den
Aufnahmen blieb noch genug Zeit, den staunenden Zuhörern im ChessBase-Büro von
diesem oder jenem Vorfall zu berichten. Dabei nimmt das einstige Wunderkind
bekanntermaßen kein Blatt vor den Mund.

Nigel Short erzählt lustige Geschichten von seiner Vorbereitung im
Kandidatenkampf gegen Karpov (li. André Schulz, re. und Oliver Reeh)

Autogramm an der Bilderwand. Wer bin ich denn hier...?
Seine DVDs werden sicher einiges an
Unterhaltung bieten, aber vor allem ist Short ein geistreicher Spieler mit
verblüffend guten Fähigkeiten, Ideen hinter den Zügen verständlich zu erläutern.
Ein Höhepunkt war sicher auch sein Auftritt in der TV ChessBase Show, wo er eine
Partie aus seinem Kandidaten-Wettkampf gegen Karpow erläuterte und außerdem an
der E-Gitarre brillierte.

Short ist auch an der Gitarre ein Meister und spielt alles von Led Zeppelin bis
Bach
TV ChessBase,
zahlreiche Live-Kommentierungen - z.B. während des kommenden
Weltmeisterschafts-Wettkampfes zwischen Viswanathan Anand und Weselin
Topalov -, Trainingsstunden und gelegentlich auch
Simultanangebote auf dem Fritzserver können Sie dann verfolgen, wenn Sie "Premiummitglied"
sind. Diese Mitgliedschaft kostet knapp 50 Euro im Jahr. Wer Fritz 12 oder
den neuen Deep Fritz 12 besitzt, hat damit auch eine Seriennummer für die
Jahres-Premiummitgliedschaft erhalten.
Für alle, die per Post schlecht zu erreichen sind, gibt es nun auch eine
Download-Version von Deep Fritz 12. Diese Version unterscheidet sich im
Umfang der mitgelieferten Datenbank und des Eröffnungsbuches und ist nur mit
bestimmten Online-Bezahlsystemen zu bestellen, enthält aber ebenfalls eine
Premiumseriennummer.
Deep Fritz
12 Download-Version...
In Vorbereitung:
Rybka 4
In der aktuellen Ausgabe des ChessBase Magazins gibt Vasik
Rajlich im Interview einen Ausblick auf die mit Spannung erwartete neue
Rybka-Version. Verblüffend: Damit aus Rybka 3 Rybka 4 wird, werden 3000(!)
verschiedene Testversionen ausprobiert. Rybka 4 erscheint voraussichtlich im Mai
2010.
Bis zum nächsten Mal und viel Spaß beim Anschauen und
Spielen!
Ihr André Schulz
ChessBase Schachprogramme Schachdatenbank Verlagsgesellschaft mbH
Sitz der Gesellschaft: Mexikoring 35 - 22297 Hamburg
Telefon: 040-63 90 60 0 - Fax: 040 630 12 82
Geschäftsführer: Matthias Wüllenweber und Rainer Woisin,
HR Amtsgericht Hamburg HRB 40336
UST-ID-Nr. DE 118644875 Finanzamt Hamburg-Nord - St.-Nr. 26/834/00362